Break Even Point: Definition, Berechnung, Beispiele

Break Even Point
Die Break-Even-Point-Analyse macht eine Aussage darüber, bis zu welcher Absatzmenge die Unternehmung Verlust macht. Foto: otnaydur/Shutterstock.com

Die Break-Even-Point-Analyse macht eine Aussage darüber, bis zu welcher Absatzmenge die Unternehmung Verlust macht, das heißt, die fixen Kosten nicht über die Produkt-Deckungsbeiträge gedeckt werden; bei welcher Menge die Unternehmung weder Gewinn noch Verlust macht (Break-Even-Point); ab welcher Menge die Unternehmung Gewinne erzielt. Formal ermittelt man diesen kritischen Wert, indem die entstandenen Kosten des Umsatzes mit den erzielten Erlösen gleichgesetzt werden. Durch Bewertung der Break-Even-Absatzmenge mit dem Stückerlös erhält man den Break-Even-Umsatz.

Definition

X(d) = K(f) : (p – k(p))

X(d) : Break-Even-Absatzmenge
K(f) : Fixkosten der Periode
p : Stückerlös
k(p) : proportionale Stückkosten

Prämissen des Grundmodells

In der Grundform ist die Aussagekraft der Break-Even-Point-Analyse im Hinblick auf die Initiierung und Begründung betrieblicher Anpassungsentscheidungen durch die zugrundeliegenden Prämissen eingeschränkt:

  1. Es wird nur ein Erzeugnis hergestellt.
  2. Kosten, Preise und Kapazitäten sind fest vorgegeben und bekannt.
  3. Die Preise werden als mengenunabhängig unterstellt.
  4. Die variablen Stückkosten werden als mengenunabhängig unterstellt, das heißt beispielsweise Überstunden- oder Nachtschichtzuschläge haben keinen Einfluss auf den variablen Kostensatz.
  5. Die fixen Kosten werden als mengenunabhängig betrachtet, das heißt es gibt keine intervallfixen Kosten beispielsweise aufgrund mehrerer Arbeitsschichten.
  6. Während des betrachteten Zeitraums treten grundsätzlich keine Parameteränderungen beispielsweise aufgrund von Verfahrensänderungen ein.
  7. Die bei einer bestimmten Absatzmenge anfallenden Kosten sind von der Produktonsmenge der Vorperiode unabhängig, das heißt es liegt keine Kostenremanenz vor.
  8. Produzierte und abgesetzte Mengen verlaufen synchron (keine Berücksichtigung von Lagerhaltung).

Anwendungsmöglichkeiten

Hinsichtlich der Anwendungsmöglichkeiten als Controllinginstrument ist die Break-Even-Point-Analyse ein die Planung unterstützendes Instrument, da sie die Auswirkungen von Änderungen der proportionalen und der fixen Kosten sowie der Preise auf die Gewinnschwelle erkennen lässt. Es lässt sich zeigen, in welchem Umfang beispielsweise Preissteigerungen durch Kosteneinsparungen bei den variablen oder fixen Kosten die Unternehmung zum ursprünglichen Break-Even-Pointzurückführen.

In gleicher Weise kann abgeschätzt werden, in welchem Umfang die gesamten variablen und fixen Kosten im Falle eines konjunkturell bedingten Absatzrückgangs gesenkt werden müssen, damit die Unternehmung verlustfrei bleibt. Ausgehend von dem zeitabhängig kumulierten Erfolgsplan lässt sich unter Berücksichtigung der nicht erzeugnismengenabhängig zu proportionalisierenden fixen Kosten der Break-Even-Point berechnen.

Für die Entscheidungsträger ist nicht nur feststellbar, wo die Gewinnschwelle liegt, sondern auch (jeweils kurzfristig) in Abhängigkeit von unterschiedlichen sich abzeichnenden Umsatzentwicklungen, ob der Break-Even-Point im Planungsabschnitt (Jahr) noch erreicht werden kann oder nicht, indem monatlich den geplanten Kosten- und Erlöswerten die tatsächlich eingetretenen Istwerte gegenübergestellt werden und somit ein Soll-Ist-Vergleich zwischen geplantem und tatsächlich erreichtem Break-Even-Point durchgeführt wird.

Nutzungsmöglichkeiten für das Controlling

Für das Controlling lässt sich die Break-Even-Point-Analyse insgesamt in zweifacher Weise nutzen. Wird monatlich ein Soll-Ist-Vergleich durchgeführt und ist bei diesem erkennbar, dass die Break-Even-Point-Erreichung aufgrund zurückbleibender Umsätze (oder nicht geplanter Kostensteigerungen) bei einer größeren Stückzahl liegt und damit zeitlich .hinausgeschoben wird, kann der Verlust zwar nur nachträglich erkannt werden. Es wird jedoch in der Regel Zeit genug sein, um so rechtzeitig betriebliche Anpassungsmaßnahmen einzuleiten, dass die Verluste (meistens im Sinne einer Gewinnminderung) sich in engen Grenzen halten. Es besteht die Möglichkeit, aufgrund von Frühwarnindikatoren einen möglichen Umsatzrückgang schon vor seinem Eintritt zu erkennen, seine Auswirkungen auf die Break-Even-Point-Verschiebung zu berechnen und gegebenenfalls entsprechende Anpassungsentscheidungen (vor Eintritt von Verlusten) zu realisieren. Für die Berechnung der Gewinnschwelle gilt dann:

Break-Even-Point = fixe Kosten : (Durchschnittspreis – durchschnittliche variable Kosten)

Die Auswirkungen geänderter Umsatzentwicklungen auf die Break-Even-Point-Erreichung lässt sich als Kennzahl für das Unternehmen insgesamt, aber auch für entsprechend rechentechnisch abgrenzbare Unternehmensteile ermitteln und als Führungsgröße in das Rentabilitäts-Liquiditäts-Controlling-Kennzahlensystem aufnehmen. Die entsprechende Kennzahl ist die sogenannte Break-Even-Point-Erreichung:

Break-Even-Point-Erreichung = A(I) : (K(fp) : p(p) – k(vp)) x 100

p(p) = geplanter Stückpreis
K(fp) = geplante Fixkosten
k(vp) = geplante, variable Stückkosten
A(I) = kumulierte Ist-Absatzmenge

Break-Even-Analysen besitzen den wesentlichen Vorteil, dass man mit ihnen sehr schnell

  • Aussagen über das Ergebnisgefüge einer Unternehmung erhält,
  • Antworten auf die Frage bekommt, wie sich Veränderungen von Ergebnispositionen auf die Erreichung der Ziele auswirken,
  • an welcher Stelle notwendige Gegensteuerungsmaßnahmen anzusetzen sind.

Beispiele

Einfache Beispiele

Ein Unternehmen produziert Notebooks, die zu einem Nettopreis von 400 EUR je Stück verkauft werden. Die variablen Kosten belaufen sich auf 200 EUR je Stück und die fixen Kosten auf 600.000 EUR. Zur Zeit produziert der Betrieb 4.000 Stück im Monat.

Lösung: Break-Even-Menge (BEM)

BEM = K(f) : dB
BEM = 600.000 : 200 dB = 3.000 Stück
3.000 Stück ist die Gewinnschwellenmenge (BEM).
Bis 3.000 produzierte Notebooks wird weder ein Verlust noch ein Gewinn erwirtschaftet.

Lösung: Break-Even-Umsatz (BEU) (wertmäßiger Break-Even-Point)

3.000 x 400 (Nettoverkaufspreis) = 1.200.000 EUR

Schwierigere Beispiele

Ein Handelsbetrieb ermittelte in der letzten Periode einen Umsatz (netto) von 650.000 EUR, davon waren 312.000 EUR variable Kosten. Bei einer Absatzmenge von 5.200 Stück, ergab sich ein Verlust von 26.000 EUR in dieser Periode.

a) Berechnung der Gewinnschwellen-Menge und des Gewinnschwellen-Umsatzes.
b) Welches Betriebsergebnis wird bei der angegebenen Kostensituation erzielt, wenn im nächsten Monat eine Absatzmenge von 6.200 Stück zugrunde gelegt wird?

Produktionsmenge: 5.200 Stück
Erlöse = 650.000 100%
./. variable Kosten = 312.000 65 Geldeinheiten dB 48%
Deckungsbeitrag (dB) = 338.000
plus Verlust = 26.000
neuer Deckungsbeitrag (dB) = 364.000

Definition: X (BEM) = K(f) : dB(alt) BEM = 364.000 : 65 dB (alt) = 5.600

Break-Even-Umsatz (BEU) (Anwendung des Dreisatzes)
364.000 : 0,52
BEU = 700.000

De Gewinnschwellen-Menge, bei der kein Verlust und kein Gewinn erwirtschaftet wird, liegt bei einem Deckungsbeitrag von 364.000 EUR bei 5.600 Stück. Der Break-Even-Umsatz liegt dementsprechend bei 700.000 EUR.

Lösung Break-Even-Point

6.200 x 65 = 403.000 EUR
403.000 ./. 364.000 = 39.000 EUR Gewinn

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Über Marvin 640 Artikel
Marvin hat seine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann 2011 bei der Deutschen Telekom AG abgeschlossen und bloggt seit 2014 regelmäßig rund um die Themen Ausbildung, Karriere, Wirtschaft und IT auf itsystemkaufmann.de. Außerdem hat er sich seit vielen Jahren dem Online-Marketing verschrieben und ist als selbstständiger Online-Marketing-Berater unter www.web-malocher.de tätig.

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